„Guided Mastery“ für Innovation?

Kann man Innovation erlernen? Ist das überhaupt etwas „für alle“?
Ja und ja, so die kurze Antwort.

Zunächst aber sollten wir anerkennen: F&E heißt oft, ein bestehendes Produktportfolio weiter zu entwickeln. Es zu ersetzen überlassen viele Unternehmen einem Startup – und sind dann überrascht. Dass die Digitalkamera bei Kodak erfunden wurde ist hinreichend bekannt. Die Erfahrungen, die Steve Sasson in den Jahren um 1975 machte, wurden oft wiederholt: versuche ja nicht, das aktuelle Geschäft durch eine Innovation in Frage zu stellen! – Entsprechend groß ist die „Phobie“ in etablierten Unternehmen vor all dem, was „nach Innovation schmeckt“.

Der von dem Psychologen Albert Bandura entwickelte Ansatz der „Guided Mastery“ erscheint uns ein guter Ansatz. Unsere Anpassung für die Unternehmenswelt und den Kontext der Innovation möchte ich hier kurz darstellen.

Schritt 1: Entwickeln Sie eine tiefe Empathie für die Bedürfnisse der Menschen.
Vermutlich aus dem „Design Thinking“ kommt die auch bei „Serious Games“ verwendeten „Empathy Map“. Viel zitiertes Beispiel von Empathie ist das von Doug Dietz, der bei GE Healthcare die Computer-Tomographie revolutionierte: dank ihm freuen sich Kinder darauf, anstatt Beruhigungsspritzen zu brauchen, bevor sie „in die Röhre geschoben werden“.

Schritt 2: Denken Sie jenseits von Produkt-Innovation.
In einem Land, in dem „eine gute Innovation zumindest einen Motor drinnen hat“ mag es uns gut getan haben, dass der deutschsprachige Alexander Osterwalder mit einem tollen Ansatz für „Business Model Innovation“ daher kam. Ohne dieses „Drumerhum“ wäre die Idee von Nespresso ja auch nur gewesen: „hey, lasst uns mal richtig teuren Kaffee verkaufen“.

Schritt 3: Mit den so erzielten Erfolgen sollten Sie das Risiko konträrer Ideen auf sich nehmen können.
Einfacher ist das freilich für Menschen, die „nichts zu verlieren haben“, wie der 15-jährige Thomas Andracka, der eine Methode fand, Bauchspeicheldrüsenkrebs 168 mal schneller, 26000 mal günstiger und 400 mal genauer zu identifizieren als die etablierten Methoden. Sein TED-Talk lohnt sich!

Schritt 4: Schauen Sie über Ihre eigene Industrie hinaus!
Das ist natürlich leicht gesagt. Vermutlich müssen Sie sich über die vorherigen Erfolge schon Zeit dafür „freigeschaufelt“ haben. Es geht darum, viel zu lesen. Methoden wie Biomimicry, „Function based Design“ oder TRIZ helfen dabei. Über diese Schlagwörter finden Sie zahlreiche Beispiele. Ein Hinweis: es gibt inzwischen systematische Ansätze dafür, auf „Termitenhügel“ zu kommen, wenn es darum geht, das Eastgate Center in Harare zu klimatisieren.

Schritt 5: Denken Sie an das Unmögliche! Verändern Sie so das Leben der Menschen!
Es ist „unmöglich“, moralisch einwandfreie Geschäfte mit den Ärmsten der Armen zu machen. Per Definition haben die kein Geld. CK Prahalat hat den Begriff „Bottom of the Pyramid“ geprägt und seine Einsicht hinzugefügt: es gibt so viele dieser Menschen, dass sogar Rasiermesser-dünne Margen noch ein substantielles Geschäft darstellen. Aravind hat gezeigt, dass es nicht nur möglich ist, auch den Ärmsten der Armen Augenoperationen zu ermöglichen, sondern auch, dass das profitabel sein kann und nicht über Hilfsorganisationen organisiert werden muss. Weniger empathisch: seien wir ehrlich, viele der Alltagsprodukte, die uns umgeben, waren vor kurzem noch „unmöglich“. Also!

Schreibe einen Kommentar