Die App, die ich mir vor 25 Jahren gewünscht hätte

Tatah: die App ist da!

Mit den im letzten Beitrag geteilten Ansätzen hast Du die Möglichkeit, das sogenannte „Rendite-Dreieck“ selbst zu erstellen. So kannst Du bequem miteinander vergleichen, welche Rendite langfristige Geldanlagen in der Vergangenheit erbracht haben.

WAHNSINN, oder?

Und ehrlich:

Ich hätte manche Entscheidung anders getroffen,
wenn ich das vor 25 Jahren gekonnt hätte.

Ich habe einigen Freunden und Bekannten von dieser Möglichkeit erzählt.
Und bin auf freundliches Interesse gestoßen.
Das war’s.

Kein „WAHNSINN!!!“.
Nur Thomas wollte den Code.

Falls es Dir ähnlich geht, dann habe ich heute etwas für Dich.
So hoffe ich.

In meinem letzten Beitrag hatte ich nämlich geschrieben:

Eine App muss her. Kurssymbol rein.
Klick auf „als Sparplan“ oder „als Investition“.
Rendite-Dreieck raus. Fertig.

Also, tatah, hier ist sie, die App:

Der „Financialyser“

https://ohlermichael.shinyapps.io/Financialyser/

Screenshot aus der App: Das Renditedreieck für einen monatlichen Sparplan in Gold.

Technischer Hintergrund zu der App

In diesem Blog betreiben wir „Open Source Analytics“ (OSAN) und verwenden dafür frei verfügbare Datenquellen und die Skript-, Berichts- und Webapplikationssprache R, die speziell für die Handhabung von Daten, Texten und Bildern entwickelt wurde. Hier nutze ich die Möglichkeit, eine Webapplikation zu erstellen. Du kannst R kostenfrei installieren.

Warum mir diese App so sehr am Herzen liegt

Mit dieser App kannst Du sehr schnell verschiedene Anlageformen vergleichen:
Wie sieht der DAX im Vergleich zum MSCI World aus? Schnell getan.
Und Gold? Einfach „GC=F“ als Symbol eingeben.

Die Liste aller Symbole findest Du mit einer Internetsuche.
Einige gängige Indizes habe ich gleich beigefügt.

Eine Geschichte vorab

Als ich im September 1990 mein Studium in Frankreich begonnen habe, da kam einer unserer Kommilitonen gerade aus Japan zurück. Er hatte Japanisch gelernt und war ein gefeierter Held. Denn die ganze Welt schaute damals auf Japan:

„Wie machen die das?“

Die japanische Wirtschaft hatte einen jahrelangen Höhenflug hinter sich.
Ein Ende war trotz eines aktuellen Einbruchs nicht in Sicht.

Seinen Höchststand vom 29. Dezember 1989 hat der japanische Nikkei 225 Index seither nicht mehr erreicht. Wenn Du damals eingestiegen wärst, dann würdest Du auch mehr als 30 Jahre später noch auf Verlusten sitzen.

Einzelne Aktien können kippen.
Ganze Märkte können stagnieren.
Und das über Jahrzehnte hinweg.

Schau Dir deshalb mit der App auch das Renditedreieck des Nikkei an (Symbol: ^N225).

Wo wir herkommen und was die App kann

In meinem letzten Beitrag habe ich die Codezeilen geteilt, die brauchst, um Daten von Einzelaktien, Indizes oder Gold herunterzuladen und als Renditedreieck darzustellen.

Die jetzt verfügbare App kann deutlich mehr. Für einen Index Deiner Wahl (z.B. ^GDAXI), für Gold (GC=F) oder für Einzelaktien (z.B. SIE.DE) kannst Du:

  • Den Verlauf darstellen
  • Zu einem Ein- und Ausstiegstermin die Rendite berechnen
  • Und das für eine Einmal-Investition und für einen monatlichen Sparplan
  • Für diese beiden Szenarien das Renditedreieck berechnen
  • Das „Erinnerungsvermögen“ (Autokorrelation) des Kurses bestimmen
  • Damit ein Szenario für mögliche zukünftige Entwicklungen simulieren
  • Die erwartete Renditeverteilung vieler Szenarien  berechnen
  • Simulationen für die Entnahmephase Deiner Anlage erstellen.

Renditeverteilung monatlicher Sparpläne:
Du planst, über die nächsten 20 Jahre hinweg jeden Monat 100 Euro in einen Wert (DAX, Euro Stoxx, MSCI World, Gold, …) zu investieren. Wie könnte am Ende das Ergebnis aussehen?

Regelmäßige Entnahmen:
Du hast insgesamt 250.000 Euro in einem Wert (Dax, …) angespart. Wie lange kannst Du jeden Monat 1500 Euro entnehmen, bis das Geld aufgebraucht ist?

Ich bin kein Anlageberater.
Und die App erlaubt Dir einen „Blick hinter den Vorhang“.

Professionelle Anlageberater können Dir bei der Entscheidung für einen privaten Rentensparplan helfen. Die App und der von mir geteilte Code für seine Erstellung helfen Dir, einen Blick hinter den Vorhang zu werfen. Denn Du wirst von Deinem Bankberater oder Deiner Beraterin hören, dass sie „Hunderte von Monte Carlo Simulationen“ durchgeführt haben und so gewisse Aussagen zu Renditeerwartungen treffen.

Meiner Ansicht nach muss bei so wichtigen Entscheidungen das Verständnis um diese Dinge „demokratisiert“ werden. Was Deine Bank Dir erzählt darf für Dich nicht nach „schwarzer Magie“ klingen. Du solltest nicht unterschreiben, ohne zumindest zu verstehen, woher diese Aussagen kommen.

In diesem Sinne erlaubt Dir die App, „hinter den Vorhang“ zu schauen. Wenn Du dadurch auch nur eine Dir wichtige Frage stellen kannst, dann hat sich die App gelohnt.

Auf keinen Fall jedoch solltest Du die App verwenden, um finanzielle Entscheidungen zu treffen. Überlege nur folgendes: Die App ist Software. Software besteht aus Code. Und Code hat – immer – Fehler. Vielleicht fehlt irgendwo ein Faktor. Oder eine Formel stimmt nicht. Oder es stellt sich im Jahr 2027 ein Szenario ein, das aus der Vergangenheit überhaupt nicht vorhersagbar war.

Wirf deshalb einen Blick hinter den Vorhang.
Und sprich mit den richtigen Leuten.

Ein Appell zum Mitmachen

Das ist die App, die ich vor 25 Jahren gebraucht hätte.
Mit dieser App hätte ich manches anders gemacht.
Vor allem hätte ich mehr selbst in die Hand genommen.

„Finanzielle Mündigkeit“ muss „demokratisiert“ werden.
Die Möglichkeit, sich eine schnelle Übersicht zu verschaffen und
Szenarien „durchzuspielen“ liefern einen wesentlichen Beitrag dazu.

Es freut mich deshalb, wenn Du die App nutzt.
Wenn Du mitmachen möchtest, um sie zu verbessern,
dann freut mich das besonders.

Im Grunde sucht diese App aber ein „neues Zuhause“.
Denn sie ist wichtig. Und wertvoll.
Und muss im richtigen Rahmen genutzt werden.
Ich freue mich über Vorschläge.