Vier Mantras beim Lösen von Problemen

Diese „Vier Mantras“ haben wir in einem Gespräch nach einem Innovations-Workshop
erschlossen. Sie stammen zwar aus dem „acquis communautaire“ von BMGI, aber
erst unser Gespräch hat diese Klarheit verschafft.

Probleme müssen als solche anerkannt werden. „Wir haben keine Probleme, höchstens Herausforderungen“ – diese Grundhaltung macht blind.  „Sehen“ lernt man über bekannte „how-to“ Werkzeuge: wie definiere ich Probleme? Wie kommuniziere ich sie – und so weiter.

Das zweite Mantra wird nur zu häufig übersehen: das Gehirn ist ein „Muskel“. Muskeln müssen trainiert und vor großen Anstrengungen gelockert werden. Einseitiges Training kann zu Haltungsschäden führen. Die Analogie des „Gehirns als Muskel“ trägt sehr weit.

Ähnlich wie „out of the box“-Denken ist auch „connecting the dots“ etwas, wozu man Menschen nicht einfach auffordern kann. Was ist DIE Voraussetzung, um Punkte zu einem neuen Bild verbinden zu können? – Nur wer viele „Punkte“ hat, der findet originelle Verbindungslinien.

Connecting the dots - originelle Verbindungslinien sehen (Daria, 5 Jahre)

Connecting the dots - originelle Verbindungslinien sehen (Daria, 5 Jahre)

„Nein, zum Lesen habe ich keine Zeit“, bringt manch einer mit Stolz vor. Eine unausgewogene Nahrung ist schlecht für die Leistungsfähigkeit der Muskeln. Eine unausgewogene Versorgung mit „Dots“ ist schlecht für die Kreativität unseres Gehirns. Und bei zu wenigen „Dots“ liefert dieses magere Ergebnisse.

Zuletzt das Mantra „diversity“ . Wir kennen die einschlägigen Poster an der Wand. Gemeint ist hier aber etwas anderes: wie lösen Menschen gerne Probleme? Gut 50
Jahre Forschung, vor allem durch Prof. Dr. Michael Kirton aus England, haben gezeigt,
dass sich die Vorlieben der Menschen beim Lösen von Problemen auf einem
Kontinuum unterschiedlicher Herangehensweisen finden: mehr „aus dem bestehenden
System heraus“ oder mehr „durch Ablösung des bestehenden Systems“ (adaptive
oder innovative Problemlösung). Da wir vorher nicht wissen, welche
Vorgehensweise zum Erfolg führt, brauchen wir immer verschiedene Stilrichtungen
in einem Team.

Beim Lösen von Problemen, so glauben wir nun, geht es vor allem um diese vier Mantras.

(Dieser Blogeintrag wurde später zu einem Artikel auf Ezinearticles.)

„Veni – vidi – vici“ oder das Problem aller Roadmaps der Problemlösung

Alle wissen: eine anstatt keiner Methode zu verwenden steigert die Erfolgschancen. Aber welche Methode? Acht Schritte bei größeren Veränderungen (J. Kotter), fünf bei Verbesserungsprojekten (DMAIC), fünf bei Design-Projekten (DMADV) – oder auch vier, falls es etwas weniger sein darf (IDOV). Sieben Schritte für erfinderische Aufgaben (ARIZ 77), vier für Innovationsprojekte (D4, BMGI) – und so weiter. Eine Internet-Suche zu „Roadmap Innovation“ fördert nur für dieses Thema mehrere scheinbar allein-seelig-machende Vorgehensweisen zutage.

Schauen wir uns eine der ältesten Roadmaps an: Julius Caesar und sein Weg zu militärischen Siegen: Veni, vidi, vici. Zu Deutsch: ich kam, sah und siegte. Ganz offensichtlich fehlt noch etwas: es fehlt das „Wie“! Nehmen wir den allseits bekannten Fahrplan eines Verbesserungsprojektes DMAIC (Define, Measure, Analyse, Improve, Control): entscheidend ist, WIE ein Problem definiert wird, WIE Fakten gesammelt und analysiert werden und WIE eine Verbesserung erarbeitet und schließlich dauerhaft verankert wird.

Taiichi Ohno, der maßgeblich das „Toyota-Production-System“ entwickelt hat, soll einmal gefragt worden sein, warum er so freizügig sogar Automobil-Unternehmen Zugang zu seiner Fertigung gebe: „Die meisten fragen, WAS wir tun. Manche fragen, WIE wir es machen. Keiner fragt nach dem WANN und WARUM“.
Zurück zu „DMAIC“. D-M-A-I-C beschreibt, das Was in jeder Phase. Ein „Mensch vom Fach“ wird auf Anhieb am Resultat der Arbeit erkennen, wie sauber gearbeitet wurde. Aber nur der Meister wird in jeder Situation erkennen, wann und warum bestimmte Werkzeuge zu verwenden sind.

Bleiben Sie also nicht stehen bei dem „Was“ („aha, Toyota hat Kanban“) oder dem „Wie“ („guck einer an: mit Kärtchen machen die das – wir kriegen das mit unserem ERP-System elektronisch besser hin!“). Fragen Sie immer auch nach dem „Wann“ und „Warum“! Und nehmen Sie sich die Zeit, es zu erlernen.